Das Geheimnis um "Bolitho Blane"

Ein Bericht in der luxemburger Tageszeitung
Luxemburger Wort, Ausgabe 14.02.2006,
über Robert Brandy und Bolitho Blane.

'Luxemburger Wort' vom 14.02.2006

Robert Brandy: Maler und Geschichtenerzähler

Das Geheimnis um "Bolitho Blane"
Wie der Luxemburger Maler Robert Brandy (s)ein mysteriöses Phantom (er)fand


VON VESNA ANDONOVIC

Der Name "Robert Brandy" ist nicht nur in der Luxemburger und internationalen Kunstszene seit Jahren ein Begriff, er wird auch mit der Sammelleidenschaft des Künstlers für alte Autos und Ölkanister assoziiert. Doch die Persönlichkeit des Malers hat nicht nur eine öffentliche Seite. Der Mensch Brandy versucht in minutiöser, zeitaufwändiger "Detektiv"-Arbeit die Existenz des Bolitho Blane zu rekonstruieren.
Robert Brandys Leben ist seit seiner ersten Begegnung mit Bolitho Blane verändert. "Ich war auf der Suche nach Material für Collagen und fand eines Tages "Murder off Miami" des Engländers Dennis Wheatley auf einem Flohmarkt in Bruges, erinnert sich der Künstler, "Das Bild eines Badezimmers aus dem Buche kam mir irgendwie bekannt vor. Ich hatte das Gefühl schon in dem abgebildeten Raum gewesen zu sein".
Von da an ließ ihn die Geschichte um die Hauptfigur des Krimis, Bolitho Blane, nicht mehr los und eine innere Stimme drängte ihn, dem Geheimnis von Blanes "Verschwinden" auf den Grund zu gehen. Heraus kam dabei eine "investigative" Arbeit, die sich über Jahre hinzog und die langsam sogar ihren Weg in Brandys Arbeit fand. So manche Überraschung brachte der Künstler so zu Tage. Nach dem "Auftauchen" eines Porträts, nahm die Gestalt Blanes immer konkretere Form an. Ein Foto, das Blane, Jahre nach seinem offiziellen "Verschwinden" in Luxemburg zeigt, gab dem Mysterium eine unerwartete Wendung und spornte die Suche um so mehr an. War es anfänglich nur der Maler selbst, der sich ihr in seiner Freizeit widmete, so sind Helfer zu seinem Rekonstruktionsversuch hinzugekommen.

Der Mensch und sein Double

"Die Zeit, die vergeht, ist ein zentrales Thema meiner Arbeit", so Brandy, "außerdem zog mich die Figur Blane irgendwie magisch an". Verwunderlich ist dies eigentlich nicht, denn viele Gemeinsamkeiten verbinden die beiden. Über den Hut als Markenzeichen, teilen die zwei Männer nicht nur eine künstlerische Ader, sondern auch ihre Liebe zum Automobil. Es ist eine Art "Seelenverwandtschaft", die zwischen ihnen besteht.
Also machte der Maler sich auf, ein Double seiner selbst zu finden: die Grenzen zwischen Bolitho Blane und Robert Brandy scheinen immer verschwommener. So fanden "wiedergefundene" Zeichnungen und Memorabilia des 1896 in Hannover geborenen Blane ihren ganz natürlichen Weg in die Bilder und Installationen Brandys.

Die Vergangenheit mit Zukunft

"Diese Geschichte ist einfach ungeheuer spannend", so "Hobbydetektiv" Brandy, "Es ist, als ob man einer Fährte durch die Zeit folgen würde". Die aus der Vergangenheit auftauchende Geschichte habe einfach die Gabe, Menschen zu faszinieren, denn diese würden es lieben, dass man ihnen Geschichten erzähle. Was letztendlich des Rätsels Lösung sei und was Bolitho Blane eigentlich wäre, darum geht es eigentlich nicht mehr, so nach dem "Der Weg ist das Ziel"-Prinzip, meint der Maler nachdenklich.
Zu viel sei über Robert Brandys Fortschritte bei seiner Suche nicht verraten, da der Künstler dies zu gegebener Zeit selbst tun will. Dennoch sei erlaubt, den Fund eines aus dem Jahre 1934 stammenden "BSA Threewheeler Special Sport" und eines Koffers, der eindeutig beweise, dass Bolitho Blane nach Südamerika gereist ist, zu erwähnen.
Neben seinem privaten Interesse an Bolitho Blane verfolgt Robert Brandy aber auch seine künstlerische Laufbahn im Ausland weiter. So stellt der Luxemburger nicht nur vom 16. Februar bis zum 26. März seine Bilder in der Brüsseler "Galerie 2016", sondern auch vom 13. April bis zum 11. Mai im "Luxembourg House" in Japans Hauptstadt Tokio aus. "Es ist die erste Ausstellung in Brüssel mit einer neuen Galerie", erklärt der Maler.
Und das sei schon irgendwie aufregend für ihnen, der Wechsel hätte ja auch nur deshalb stattgefunden, weil seine übliche Galerie in der belgischen Hauptstadt schließen würde. "Ich bin ein treuer und stetiger Mensch", sagt Robert Brandy mit einem verschmitzten Lächeln und kehrt zu seinen Pinseln, Leinwänden und Farben und zur Suche nach (s)einem Phantom zurück.


Brandy in Brüssel, in der Galerie 2016 (16, rue des Pierres), donnerstags bis sonntags von 13 bis 18.30 Uhr.
 
  • www.brandy.lu
  • www.robert-brandy.de
  • www.whois-bolithoblane.de